Wegweiser

Du warst des Weges sicher
und hast dich doch verirrt.
Und noch viel ärgerlicher
Ist, dass es dunkel wird.

Du fragst dich, wohin gehst du?
Und dir wird bang im Sinn.
An einem Kreuzweg stehst du
Und weißt nicht mehr wohin.

Da ragt in tiefem Schweigen
Ein Pfahl, der Arme hat,
Und seine Arme zeigen:
Zum Waldsee und zur Stadt.

Nun kannst du weitergehen,
Dein Weg ist dir bekannt.
Er aber bleibt dort stehen,
Wo er seit jeher stand.

Er selber kann nicht lesen,
Kennt nicht der Worte Sinn,
Ist niemals dort gewesen
Und kommt auch niemals hin.

Jedoch, vielleicht nach Stunden,
Fällt es dir wieder ein:
Dass du den Weg gefunden,
Das dankst du ihm allein.

Verwittert ist er, staubig,
Nur ein Stück Holz, nicht mehr –
Doch es gibt Menschen, glaub’ ich,
Die sind wie er.

 (Michael  Ende)

2 Gedanken zu „Wegweiser“

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